Ist Technologie ohne emotionale Intelligenz wertlos?

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Sind wir mal ehrlich: Wenn sich herraustellen sollte, dass meine Daten wieder einmal von einem Unternehmen aus den USA oder einem sozialen Netzwerk, ganz gleich wo es seinen ursprung hat, missbraucht wurden oder dass eine App das Ziel hat mich gezielt süchtig zu machen, dann wird das für mich keine Überraschung mehr sein. Die Digitalisierung hat Ihre Unschuld verloren – und doch wird es keiner rückgängig machen können.

Wir stellen uns also die Frage: Was muss getan werden, um die Gefahren der Digitalisierung zu bannen?

Money is Everything?!

Wir stellen uns vor, dass wir in einem großen Technologieunternehmen arbeiten und eingestellt wurden um ein neues Produkt zu entwickeln. Wie gehen wir vor? Nach Trends Ausschau halten? Konkurrenzanalysen? Das ist verständlich und auch richtig. Aber würden wir auch daran denken, welche Werte das Produkt transportieren soll?

Der Spirit des Silicon Valleys ist klar. Produkte sollen sich vorallem gut verkaufen. Ob die Produkte aber Freundschaften stärken, Wissen vermitteln, Nutzer zufriedener in ihrem Leben machen – geschenkt. Die Kernessenz der vermeintlichen Innovationen geht damit aber unter, nämlich die Frage: Wozu ist das eigentlich gut?

Analysen und Prognosen können diese Frage nicht beantworten. Die Expertise von Führungskräften hat häufig nichts mit der Lebenswirklichkeit zu tun, sie beschreibt meist nur die Hypes, denen alle in der Tech-Branche hinterherjagen. Gibt es eine Blockchain-Anwendung, die Menschen in ihrem Alltag wirklich hilft? Dabei ist das Thema Blockchain schon seit Jahren das Buzzword um neue Venture-Capitalists an Land zu ziehen. Die Technologie verspricht, dadurch dass sie neu ist und umjubelt wird, große Gewinne. Ein bestimmter Zweck wird mhäufig vergebens gesucht. Die Lösung ist da!… Was ist aber das eigentliche Problem?

Werte jenseits des Börsenwerts eines Unternehmens spielen, laut Experten, zur heutigen Zeit eine kleine Rolle im Silicon Valley. Sie werden laut z.B. Sarah Spiekermann, einer Wirtschaftsinformatik Professorin in Wien, nachträglich angedichtet, weil sie sich dann besser verkaufen. Das sollte sich laut ihr dringend ändern.

Kundenfokus!

Im Internet gehts nichts ohne Google! ABER… Neben Google gibt es inzwischen auch Öko Suchmaschinen wie Ecosia, die ihre Einnahmen zum pflanzen von Bäumen verwenden. Das ändert aber nichts am Ranking. Google ist und bleibt die Nummer Eins. Hinter Google steckt der Konzern Alphabet. Eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Ecosia ist nur ein kleines Licht. Die Frage ist aber was sich hinter dem Wort “wertvoll” verbirgt, oder?

Spieglein Spieglein an der Wand…

Schönheit, Wahrheit, Gerechtigkeit. Werte, die für uns subjektiv sind. Jeder Mensch findet etwas anderes erstrebenswert. Der eine schätzt den Wert der Privatheit und meidet Websites und Dienste, denen er seine Daten offenlegen muss. Der andere will so schnell wie möglich Suchtreffer. Ein Unternehmen kann es deshalb nicht jedem recht machen. Die Verwirklichung eines Wertes untergräbt dann die eines anderen. Deshalb fragen wir uns: Welcher Wert spielt bei der Entwicklung die wichtigste Rolle und welcher ist eher zweit-oder drittrangig.

In seinem Buch “Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik” hat der Philosoph Max Scheler bereits 1913 von fünf Merkmalen gesprochen und mit ihnen eine Möglichkeit geschaffen, Prioritäten zu erkennen. Mit diesen fünf Merkmalen ist es möglich nun den etischen Vorteil einer Suchmaschine wie Ecosia aufzuzeigen.

Merkmal 1 | Dauerhaftigkeit

Ist es, auf lange Sicht besser, bei den Suchen immer schnell Ergebnisse zu erhalten oder die eigene Privatsphäre zu schützen?

Merkmal 2 | Fundamentalität

Ist die Effizienz an sich erstrebenswert oder brauch es sie nur, um einen anderen Wert zu erreichen, z.B. den Gewinn? Und wenn man davon ausgeht, dass Geld allein nicht glücklich macht, ist dann nicht auch der Gewinn nicht-fundamental?

Merkmal 3 | Soziale Einheit

Was schweißt Menschen mehr zusammen, was können sie teilen? Das Gefühl eine gute Sache zu unterstützen, oder jenes Informationen möglichst einfach zu finden?

Merkmal 4 | Befriedigung

Empfindet jemand anders wenn er mit jedem Suchvorgang dafür sorgt, dass ein Baum gepflanzt wird, als jemand der mit seinen Klicks allein für den Profit von Investoren sorgt?

Merkmal 5 | Absolutheit

Es gibt Werte die immer und ohne Einschränkungen gelten, wie etwa die Menschenwürde. Kann man, das Offenlegen des Surfverhaltens und sich vor einem Konzern nackt machen zu müssen, als würdelos empfinden?

Quod erat demonstrandum?

Ecosia ist also ethisch wertvoller als Google!… Naja nicht ganz. Innerhalb eines bestimmten Wertesystems ist sie sicherlich am wertvollsten. Der Zeitgeist sagt insgesamt aber etwas anderes. Wir haben uns als Gesellschaft den Werten “Höher”, “Schneller”,  “Weiter” verschrieben – was den Werten von Google entspricht.

Die Digitalisierung löst Probleme, schafft aber auch viele neue

Von über all aus arbeiten, statt den nasskalten Winter zu erleben? Kontakt zu Familie und Freunden halten, während man ein Semester in NewYork studiert? Mit der Digitalisierung – Kein Problem! Unser Leben ist in vielerlei Hinsicht einfacher und besser geworden. Doch wie so oft muss man einen Schritt zurücktreten um den Ausschnitt im ganzen Bild zu sehen.

Digitale Technologien sind fehleranfällig. Das weiß jeder, der sich schon einmal mit einem Bug herumschagen musste. Wenn sich bestimmte Aktionen nicht ausführen lassen, treibt uns das oft zur Weißglut. Diese Fehler sind aber ein vergleichsweise kleines Problem.

Toyota hat in 2018 ca. 2,4 Millionen Autos zurückrufen müssen – wegen einer Fehlfunktion der Kontrollsoftware, die zu Unfällen hätte führen können. Flugzeug Software-Probleme können sogar zu Abstürzen führen. Doch selbst wenn es nicht um Leben und Tod geht, können fehlerbehaftete Technologien zu großen Problemen führen. Ein Beispiel: Uploadfilter. Sollte sich diese Software “irren”, ist die Meinungsfreiheit in Gefahr.

Digitale Technologien gaukeln uns angeblich etwas vor. Das Facetime-Telefonat mit den Freunden, Online Dating wie Tinder, oder ein Livestream: Wir fühlen uns als wären wir uns sehr nah, aber irgendetwas fehlt trotzdem. Kleine Details, die unbewusst von uns wahrgenommen werden. Gerüche, Stimmungen, ja sogar Schweißperlen auf der Stirn des Gegenübers. Und auch die aufbereiteten digitalen Oberflächen sorgen an der ein oder anderen Stelle für Misstrauen. Nach der Bestellung eines appetitlichen angerichteten Burgers in der App, erwartet uns dann eine lauwarme und mit wenig Liebe, vor Fett triefende Portion Enttäuschung.

Natürlich ist das noch nicht alles. Nahezu jede App ist so gestaltet und programmiert, dass wir möglichst viel Zeit mit ihr verbringen und immer wieder zurückkehren. Der Instagram-Feed hat kein Ende, die News-App push immer wieder die neusten Schlagzeilen. Nachrichten unserer Freunde prasseln ständig auf uns ein, und auch wir freuen uns jedesmal wenn wir einen Like für einen Post bekommen.

Der digitale Wandel verändert unser Leben also nicht nur zum besseren? Gibt es dafür eine technologische Lösung?

Let’s get Cloud!

Stellen wir uns vor, wir könnten unser Gehirn in eine Cloud uploaden. Zugriff auf alle Erinnerung und all das angesammelte Wissen. Immer abrufbereit. Zu jeder Zeit. Unbegrenzeter Wissensspeicher. Cool oder? So denken auch die Transhumanisten. Sie wollen über das menschliche hinaus. Sie wünschen sich Verbesserungen am menschlichen Körper. Ob es Prothesen sind, mit denen man Meter hoch springen kann, schneller laufen kann oder eben USB Steckplätze in der Nähe des Hirns um sich darüber mit Computern zu verbinden. Für Transhumanisten ein echter Problemlöser.

Dieses fortschrittliche Denken ist auch schon jahrhundertealt. Im 13. Jahrhundert formulierte der englische Philosoph Roger Bacon einen Gedanken den wir heute als Trial-and-Error kennen. Die Welt sollte nicht mehr durch theoretisches Abwägen erklärt werden, sondern durch naturwissenschaftliche Experimente. Auf dieser Grundlage zeigt die Geschichte, dass die Menschen mit jeder neuen Erfindung glaubten, dass Neues immer gut und besser sein muss.

Jetzt leben wir in einer durch und durch zukunftsgläubigen Gesellschaft. Wir suchen stets etwas Besseres und blicken erwartungsvoll in die Zukunft. Wenn wir mit diesem Blick auf unser Hirn schauen, ist es kein Wunder, dass wir auch diesem Denkapparat ein Upgrade verpassen wollen. Das letzte Upgrade ist schließlich schon 300.000 Jahre her.

Was bedeutet das also?

Versuchungen zu widerstehen. Wir tun viele Dinge, von denen wir wissen, dass wie sie eigentlich lassen sollten. Das letzte Stück der Torte oder die letzte Folge der Netflix Serie. Digitalunternehmen geht es nicht anders.

Was hinter dem Rücken etlicher Nutzer geschieht, ist ethisch betrachtet nur selten in Ordnung. Eine Google Tochter hat sich im Jahr 2016 für ein Forschungsprojekt umfangreiche Gesundheitsdaten von 1,6 Millionen Versicherten aus Großbritannien besorgt – ohne die Zustimmung der Versicherten. Ein Verstoß gegen das Datenschutzgesetz. Im letzten Jahr musste Amazon zugeben, dass die Nutzer stichprobenartig bei privaten Gesprächen von Amazon Alexa Geräten belauscht wurden. Google, Apple und Microsoft mussten dann nachziehen und ebenfalls einräumen, dass sie mithören. Anstatt auf solche Vertrauensbrüche zu verzichten, ist es für die meisten Unternehmen einfacher sich im Nachgang zu entschuldigen.

Im Ergebnis darf das schnelle Geld nicht das Ziel digitaler Unternehmen sein. Von verfrühten Produkt-Launches und spektakulären aufgeblasenen Börsengängen profitieren schließlich nur wenige Investoren und Anteilseigner, dass häufig auch nur kurzfristig. Muss ein Unternehmen einen Fehler einräumen, stürzt der gehypte Börsenkurs schnell wieder ab. Ein solides und funktionierendes Produkt macht mehr Menschen glücklich, auch wenn alle Beteiligten darauf etwas länger warten müssen.

Und das wars dann mit der ethischen Digitalisierung?

Nicht ganz. Es braucht auch Wissen und Freiheit.

Wissen

Unwissenheit dürfte heute eigentlich nicht mehr existieren. In den voll digitalisierten westlichen Staaten lässt sich alles herausfinden. Auf Wikipedia, Google und YouTube lässt sich alles finden und herausfinden. Die Wissensexplosion sollte uns aber nicht dazu verleiten, uns nicht mehr weiterzubilden.

Wenn man innovativ sein will, braucht man fundiertes Wissen. Wer sich lange und intensiv mit einer Materie auseinandersetzt, kann Innovationspotenzial überhaupt erkennen. Viele glauben, dass Big Data, also die maschinelle Auswertung von riesigen Datenmengen, für neue Erkentnisse und Erfindungen sorgen wird. Doch irgendjemand muss diese Daten auch einschätzen können. Ergeben diese Muster überhaupt Sinn, die der Computer, die künstliche Intelligenz, auswirft? Nur der, der auch selbst genug weiß, kann produktiv mit Maschinen zusammenarbeiten. Man sollte also nicht nur wissen wo etwas steht, sondern auch die Qualität dieser Informationen beurteilen können. Ansonsten macht man sich abhängig.

Freiheit

Mit dem IOT (Internet der Dinge) kann die Freiheitsberaubung schon beginnen. Wenn unsere Geräte mit allerlei Sensoren ausgestattet und miteinander vernetzt sind, erhalten sie die Macht über uns. Sie gestatten dann womöglich nur noch Dinge, die ihre Programmierer für erstrebenswert hielten und die Gesetzgeber angeordnet haben. Es droht eine umfassende Bevormundung. Der US-amerikanische Soziologe Robert karasek hat herausgefunden, dass gerade im Arbeistalltag Bevormundungen zu einem Burn-Out führen können. Es verwundert dann niemanden, dass bei automatisierten und strikten Prozessen, nur noch Dienst nach Vorschrift abgefertigt wird. Die Kreativität und der Innovationsansatz leiden darunter.

Fazit

Digitalisierung ist schlecht und am besten sollte man sich von dem Internet abschotten! NEIN! Es braucht ein Gleichgewicht und einen menschengerechten Fortschritt als Lösung. Die Technologien müssen demnach immer dem Menschen und seinen Werten dienen. Bei 8 Milliarden Menschen wird es, aufgrund der unterschiedlichen Individuen, keine einzig wahre Lösung geben. Die Lösung liegt in jedem Einzelnen von uns. Wie er die Technik anwendet, wie abhängig er sich macht, wie mutig er ist Schritte zu gehen. Wenn das einzelne Individuum sich bewusst ist, wie es die digitalen Möglichkeiten anwendet, erst dann wird auch die Furcht vor der Digitalisierung verschwinden.

Geht Ihr mit einem ethischen Grundemfpinden an die Digitalisierung ran? Was haltet Ihr von dem Ansatz und den Gedanken? Schreibt es in die Kommentare oder schreibt mir unter hello@digibeat.de.

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