Der Corona Virus zeigt der Bundesrepublik Deutschland ihre digitale Inkompetenz auf. Wegen der “Corona-Krise” appelliert Kanzlerin Merkel an die Bürger, alle nicht notwendigen Veranstaltungen abzusagen. Sogar auf Sozialkontakte soll verzichten werden. Darüber hinaus, sagt sie der Wirtschaft umfangreiche Hilfen zu. Das alles ist gut und auch wichtig um nicht in eine tiefe Krise zu stürtzen, aus der man wahrscheinlich nur mit Mühe und größeren Maßnahmen wieder rauskommt. Was aber wirklich verwunderlich ist, dass sich immernoch Menschen schwer tun auf den face-2-face Kontakt auf der Arbeit zu verzichten.


“Das können wir nicht besprechen, Person X/Y ist heute nicht da.” ist ein typischer Satz der in deutschen Büros fällt. Heute genauso oft wie noch vor 30 Jahren. Der einzige Unterschied zur damaligen Zeit ist, dass wir heute nicht mehr auf direkte face-2-face Kommunikation angewiesen sind. Von Chats bis zu FaceTime Applikationen gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten über das Internet zu kommunizieren oder eben zu besprechen. Das machen wir mittlerweile auch schon ganz natürlich über unsere, auf dem Smartphone installierten, Apps. Aber nur in unserem Privatleben. Wieso also nicht auch im Büro?

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Es wird Berufe geben, die tatsächlich auf den persönlichen Austausch angewiesen sind. Aber wenn in solchen Krisen selbst die Ärzte und Versicherungen auf “Krankschreibungen per Telefon” zurückgreifen, bin ich mir sicher, dass fast jede Branche und jeder Beruf, der Kommunikation benötigt, digitalisiert werden kann. Hätten wir als Deutschland das Potenzial der digitalen Welt, des digitalen Lebens erkannt, hätten wir längst voll-digitalisierte Krankschreibungen. Auf dem Smarthphone. Per App. Und der Arbeitgeber sowieso.

Wenn man den digitalen Wandel verschlafen hat, fällt einem dieser Corona Virus jetzt auf die Füße. Und weil die gesamte Bundesrepublik dieses Thema verschlafen hat, fällt jetzt die gesamte deutsche Wirtschaft auf die Nase. Die Digitalisierung ist sicherlich kein Allheilmittel. Die Digitalisierung wird nicht alles besser machen und auch nicht jeden retten können. Sie kann aber als effektives Mittel genutzt werden um solche Quarantäne Maßnahmen zu umgehen. Um die “auferlegte Quarantäne” weniger als einschneidenden Eingriff in unser Leben zu verstehen. Dafür ist es zwingend notwendig eine digitale Kompetenz aufzubauen und sich nicht auf altes und Gewohntes auszuruhen. Dafür braucht es das richtige Mindeset bei Arbeitgebern und vor allem auch Arbeitnehmern.

Und das fängt schon ganz früh an!

Was aber viel schlimmer ist, ist dass wir Bildungseinrichtungen schließen weil wir denken, dass es für Bildung eine physische und persönliche (auch digitale Kommunikation kann persönlich sein) benötigt. Mir ist klar, dass dies natürlich zur Prävention der Neuinfizierungen dient. Das ist auch korrekt. Aber könnte der Unterricht nicht digital weitergeführt werden? Kinder, Schüler und Studierende sind mit digitalen Medien aufgewachsen. Ihnen jetzt über die Medien, die sie in ihrer Freizeit nutzen, etwas beizubringen – ein Kinderspiel. Ich vermute, dass der effektive Einsatz von YouTube Tutorials tatsächlich auch dazu geführt hat, dass einige dieser Schüler und Studierenden ihre Abschlussarbeit mit einer besseren Note bestanden haben. Der springende Punkt dabei ist aber nicht bessere Noten durch den Einsatz von YouTube zu bekommen, sondern eben für den variablen Einsatz von digitalen Medien sensibilisiert zu werden. Eben aufgeklärt werden, was mit “diesem digitalen Zeugs” alles möglich ist.

Mit diesem digitalen Zeug ist nämlich mehr möglich als Social Media, YouTube und Wikipedia! Im Büro, auf der Baustelle, im Unterricht, im Wartezimmer beim Arzt, uvm.

Nikolaos Kofidis
Head of Product Management bei der Redtree GmbH, ein leidenschaftlicher Digital Native und als solcher auch nicht von der Online Welt zu trennen. In Kombination mit seiner Passion für Marketing, Digital Business und Innovation ein idealer Gesprächspartner für Digitalisierung, Marketing und Technologie im digitalen Zeitalter.